„’Möchtest du gleich ein Abenteuer erleben oder lieber erst Tee trinken?’, fragte Peter.

‘Zuerst den Tee!’, sagte Wendy schnell.“

J.M. Barriere in Peter Pan

Wendy hat absolut recht!

Für ein Abenteuer muss man gestärkt sein.

Am besten nach einem entspannten Frühstück oder einer erholsamen Nacht. Wir erleben viele kleine und größere Abenteuer, viele tagsüber, einige auch nachts. Schlafen wir im Zelt stellt sich die Frage nach dem Tee nicht. Nächtigen wir hingegen in einer Herberge oder bei freundlichen Franzosen, werden wir beim „petit déjeuner“ (kleines Frühstück) oft nach Kaffee gefragt. „Café au laut“, antworte ich meistens. Herr Hut kommuniziert dann schnell, dass er gerne Tee hätte und auf Kaffee verzichtet.

Ich habe mich dabei schnell an das einfache, aber leckere französische Frühstück gewöhnt: Baguette mit Butter und meist selbstgemachter Marmelade (Mirabellen, Erdbeeren, Kirschen, Äpfel). Dazu gibt es manchmal auch leckeres Croissant oder „Pain au Chocolat“ (Schokobrötchen). Den Kaffee und Tee trinkt man hier beim Frühstück aus einer kleinen Schüssel, über der auch gegessen wird. So kann man ab und an das Baguette in den Kaffee oder Tee tunken. Wir haben es ausprobiert und es ist eine schöne Art zu frühstücken. Ein Tag ohne Baguette in Frankreich können wir uns nicht mehr vorstellen und so gibt es bei uns in der Mittagspause meistens Baguette mit Butterkeksen und Schokolade.

Die Mittagspause gehört für uns zum festen Tagesablauf dazu. Je nach Streckenverlauf und Wetterlage ruhen wir für ein bis zwei Stunden. Dabei bevorzugen wir die kleinen Plätze vor oder an der Kirche. In dieser Zeit können auch unsere Schlafsäcke und Füße gut lüften. Spätestens um halb 3 geht es dann ausgeruht weiter.

Dabei müssen wir während den Pausen sehr genau auf die Zeit achten. Während beim Laufen die Minuten und Stunden „normal“ verstreichen, scheint die Zeit in den Pausen förmlich zu rennen! Man setzt sich, zieht die Schuhe aus, hängt die Strümpfe zum Lüften und genießt zwei drei Butterkekse und schon sind 40 Minuten verflogen. Einfach so. Irgendwie hat sich die Zeit hier umgedreht. Noch vor 3 Monaten verging die Zeit während dem Arbeiten enorm schnell und zu Hause, wenn man einfach so auf dem Sofa saß und nichts tat, sehr langsam.

Auch die Wochentage und das Datum rücken für uns in den Hintergrund. Es ist unwichtig ob es Montag oder Freitag ist. Lediglich die Sonntage sind für uns besonders, da dort die Lebensmittelgeschäfte geschlossen haben. Herr Hut hat auf seiner G-Shock Uhr die Datumsanzeige eingestellt, sodass wir nicht immer auf unsere Handys oder in die Tagebücher schauen müssen, um den Wochentag zu erfahren.

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Kirche in Essoyes
Pete aus Belgien
Künstlerstadt Essoyes

Anstatt in Stunden und Minuten den Tag einzuteilen, kommt es immer öfter vor, dass wir von Kilometern als Zeiteinheit reden. „Wir sind jetzt seit 5 Kilometern unterwegs.“ „Ich würde gerne in 3 Kilometern eine Pause machen.“ „Danach gehen wir noch für 2 Kilometer bergan.“

Finden wir keine Unterkunft am Wegesrand, suchen wir uns ein ungestörtes Plätzchen am Rande eines Feldes oder einer Waldlichtung, um unser Zelt aufzuschlagen. Auch hier haben wir mittlerweile einen festen Rhythmus gefunden. Zuerst wird die Bodenplane und das Moskitonetz aufgebaut, danach eine Leine gespannt, um unsere verschwitzen Klamotten zu trocknen. An die Füße kommen unsere Flip-Flops und in das Zelt schon die Schlafsachen: Isomatte (Therm-a-Rest NeoAir -Lite*), Schlafsack (Viking 600*), Taschenlampe (Ledlenser MH8*), Seideninlays.

 

Dann wird das Essen vorbereitet und Tagebuch geschrieben. Nach dem Abwasch in der Dämmerung spannen wir das Außenzelt ab und machen uns Bettfertig.

Ein Bauer erlaubte uns, hier unser Zelt aufzuschlagen

Nach einer erholsamen Nacht geht es dann mit dem Sonnenaufgang (derzeit 6:40 Uhr) an den Zeltabbau. Gefrühstückt wird während einer kleinen Frühstückspause zwischen 9 und 10 Uhr, so sparen wir morgens Zeit und können unsere erste Pause genießen.

Regenbogen im Sonnenaufgang über den Weinbergen der Champagne.

So können die Abenteuer entlang des Weges kommen. 

Abenteuer? Über ungebetene Besucher in der Nacht und andere Begegnungen schreiben wir am Mittwoch, denn: erst der Tee, dann das Abenteuer.

Wobei kannst du die Zeit so richtig vergessen und voll entspannen?

 

Locke und Hut am 21.08.2020
Blick auf Blécourt (100 EW) mit riesiger Kirche.
Bleibt gesund und munter!

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Piet

    Angenehm geschrieben, und ich folge mit Interesse. In der Zwischenzeit bin ich wieder zu Hause und kann neue Reisepläne schmieden.

    Viele Grüsse,
    Piet

    1. Herr Hut

      Hi Piet,
      Es war super, dich getroffen zu haben und dass du es bis nach Belgien geschafft hast! Wohin soll deine nächste Reise gehen?
      Viele Grüße aus dem schönen Auxerre

  2. Nino

    Schön zu lesen, dass es euch gut geht und was ihr alles erlebt! Vorallem wie sich die Wahrnehmung verschiebt (z.B. Km als Zeiteinheit) 😊 Bleibt gesund!

    1. Herr Hut

      Hi Nino,
      wir sind selbst erstaunt darüber, so viel positives zu erleben! Während man ein ganzes Land durchwandert ändert sich langsam die Landschaft, die Menschen, die Gewohnheiten und auch man selbst. Man nimmt sich und seine Umwelt anders wahr.
      Beste Grüße aus dem schönen Auxerre In Frankreich.

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