„Sie ist auf keiner Karte verzeichnet.

Die wahren Orte sind das nie.“

Hermann Melville – Moby Dick

Eine Wanderkarte enthält eigentlich genau die Infos, die man zum Wandern benötigt. Kilometerangaben, Höhenunterschiede, Ortschaften und Aussichten. Quellen und Schutzhütten sind für uns da natürlich auch sehr wichtig. Am fünften Tag bei Kilometer 100 sollte sich dies ändern.

Doch alles der Reihe nach....

Die ersten Kilometer unserer Wanderung durch Europa sind geprägt von Regenwetter, Nebel, starkem Wind und ab und an ein wenig Sonnenschein. Trotz des schlechten Wetters ist unsere Stimmung super! Ich war ein solches Wetter ja schon vom Rennsteig* gewohnt und Wir machten schließlich unsere ersten Schritte Richtung Santiago de Compostella. 

Es sind „normale“ Schritte. Da ist keine Euphorie, keine großen Glücksgefühle, die mich durchströmen. Einfache Schritte auf einfachen Waldwegen. Nicht so ganz das, was ich erwartet hatte.

Ich glaube man begreift erst, was man da genau macht, wenn die Landschaft sich merklich ändert oder man von unterwegs guten Freunden zum Geburtstag gratuliert. Noch begreife ich jedenfalls nicht, dass wir nun wirklich unterwegs sind.

Von Schutzhütte zu Schutzhütte wandern wir, kochen abends leckere Hirse oder Couscous und verwöhnen unsere Füße mit Hirschtalg*. So geht es satt und wohlig in die Schlafsäcke.

Am fünften Tag ist dann alles anders. Die Etappe endet in Lützel, einem kleinen idyllischen Dorf im Rothaargebirge. Auf der Karte ist hier keine Schutzhütte eingezeichnet und auch Komoot nennt diesen Ort nur „Endpunkt“. Wir beschließen kurz vor der Ortschaft, dass wir einfach ein Gasthaus für die Nacht aufsuchen. Immerhin haben wir soeben den Kilometerstein 100 passiert.

Im Dorf merken wir schnell, dass es hier keine Herberge gibt. Das einzige Schild zu einer Unterkunft ist alt und morsch. Verzweifelt sprechen wir einen Mann an, der die Außenwand eines alten Fachwerkhauses streicht. Scheinbar wir das Haus gerade renoviert. Nach einem kurzen Gespräch werden wir eingeladen, die Nacht bei Muhsin und seiner Frau Heike zu verbringen. Sie renovieren das Fachwerkhaus von 1772 und bauen einen Teil zu einer Ferienwohnung aus. Der besondere Charme des Hauses überwältigt uns. Wir fühlen uns direkt wie zu Hause! Ein Ort zum Entspannen.

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In der privaten Küche prasselt der Holzofen, während wir gemeinsam zu Abend essen. Zwei Freunde der beiden, die in Lützel einen kleinen Kräuterladen betreiben, gesellen sich noch zu uns. Gemeinsam trinken wir Wein und kommen ins Gespräch über Vergangenheit und Zukunft. So vergehen die Stunden.

Es liegen noch viele wunderbare Tage vor uns, doch dieser fünfte Abend auf dem Rothaarsteig mit Heike und Muhsin hat in mir die Euphorie aufsteigen lassen, die ich in den ersten Tagen vermisst habe.

 

Melville hatte recht! Die wahren Orte sind auf keiner Karte eingezeichnet!

Welches sind deine „wahren Orte“,

die auf keiner Karte verzeichnet sind?

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