„We are human beings, not human doings“

– Stein am Jakobsweg

Auf dem Weg von Hessen nach Santiago de Compostela haben wir viel gemacht. Wir hatten jeden Tag unsere „To-Do“s, waren jeden Tag in Bewegung von einem Ort zum nächsten. Diese Phase liegt hinter uns. Wir haben uns dazu entschieden, den eher nebeligen und kalten Norden Spaniens schneller als mit 4km/h zu verlassen.

Wir haben den Zug und Bus nach Süden genommen.

„Du brauchst keine Angst zu haben, du brauchst kein Wissen, du brauchst nur Mut, deinen Weg zu gehen.“

– Anja Nickel, deutsche Jakobspilgerin

Im Zug rauscht die Landschaft an mir vorbei. Schöne Aussichten erscheinen für kürzeste Zeit vor dem Fenster und werden schnell von neuen Bildern abgelöst. Städte, Dörfer, Burgruinen, Hügelkuppen und dichte Wälder schwirren vor meinem Auge dahin. Obwohl mein Körper in einem bequemen Sitz ruht, erschöpft die Zugfahrt meinen Geist. Zu viele Eindrücke von bisher ungesehenen Landschaften wollen verarbeitet werden. Zu schnell geht alles vorbei. Kein Augenblick kann genossen werden. 

Wie fühlt sich diese Gegend an? Was sieht man von dem Berg? Was wird dort im Garten angepflanzt? Wie reden die Menschen hier? Wie duftet die Natur? Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Fragen, die während dem langsamen Laufen langsam Antwort fanden. Hier im Zug jedoch keine Antwort finden. Sie bleiben unbeantwortet.

Diese Einbußen muss ich wohl in kauf nehmen, wenn ich schneller in den Süden Portugals gelangen möchte. Schneller war bisher eigentlich nicht unsere Devise. Ebenso haben wir versucht, jeden Schritt und jede Region zu erfassen. Dennoch wollen wir schneller nach Süden, um unsere Zeit dort verbringen zu können.

Über die Stadt Vigo ging es für uns mit dem Bus nach Porto. Keiner von uns war bisher in dieser schönen Stadt, jedoch hatten wir viele auf unserem Weg durch Frankreich und Spanien von Porto schwärmen gehört.

Und tatsächlich. Porto ist eine Stadt zum schwärmen!

Farbenfrohe Häuserfront an der Ribeira
Wandkacheln im Bahnhof
Bahnhofsuhr
Häuserfassade im Abendlicht
Die Igreja de Santo Ildefonso
Blick auf die Ribeira von der Ponte Luis I

Auch wenn nicht alles offen hatte, so genießen wir es doch in vollen Zügen am Fluss Douro entlang der Ribeira (portugiesisch für Flussufer), dem berühmten Uferbezirk Portos,  entlangzugehen und den Straßenmusikern zu lauschen. Dies alles wirkte in höchstem Grade unwirklich auf uns. Menschen in Cafés sitzend, Straßenmusiker vor dahinfließendem Wasser, sanftes Abendlicht auf alte Häuserfassaden. 

Menschen in fast vollen Cafes

Neben vielen schönen Gebäuden, Cafés und Restaurantes empfiehlt sich ein Abstecher zur Küste Portos. Vom Stadtkern aus gelangt man entlang des Flusses zu Fuß an die 5 Kilometer entfernten Strände, Bars und Riffen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie viel in den Sommermonaten hier los ist. Jetzt hatten wir die Strände fast für uns alleine.

Palmen an der Promenade kurz vorm Meer

Mit dem Bus ging es für uns weiter nach Lissabon. Hier sind wir gestern eingetroffen. Was für ein heftiger Kulturschock! Wo noch vor einem Tag wenig Menschen in den Herbergen und Hostels waren, sind plötzlich viele Menschen auf engem Raum. Masken müssen auf einmal nur noch in den Supermärkten getragen werden und irgendwie scheint es, als würde für viele hier Corona nicht existieren.

 

Kopfschüttelnd haben wir beschlossen, uns eine andere Unterkunft, als das „Home Lisbon Hostel“ zu suchen.

 

Hier in Lissabon werden wir mit zwei besonderen Wanderfreunden zusammentreffen. Manu und Marc sind die gesamte Strecke von Santiago bis nach Lissabon zu Fuß gelaufen, während wir die Zeit bei unseren Freunden in Moaña verbracht haben. Wir freuen uns bereits auf die gemeinsame Zeit, denn wir haben unabhängig voneinander ein neues Ziel im Süden Portugals gefunden: der Fischerweg.

Dies ist auch der Grund, weshalb wir nicht zu Fuß bis nach Lissabon gelaufen sind. Die Zeit wollen wir stattdessen auf dem Fischerweg verbringen, einem Wanderweg entlang der portugiesischen Atlantikküste südlich von Lissabon. Ihn wollen wir nutzen, um von Lissabon zu Fuß bis nach Faro zu laufen. Ich bin gespannt, wie sich die Atlantikküste und die Algarve im Frühling präsentieren. Das raue Meer, die Klippen und Strände werden wir hoffentlich bei angenehmem Wetter genießen können.

Aber das ist ein neues Kapitel, was wir aufschlagen werden, wenn wir Lisabon hinter uns lassen. 

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Jürgen und Karin

    Hallo Franzi, hallo Soehnke,
    zuallererst einmal herzlichen Glückwunsch!
    Ihr habt es geschafft und habt das erste und vermutlich wichtigste Ziel Eures Weges erreicht und seid in Santiago de Compostella angekommen. Aber wir beide waren da auch ganz sicher….

    Umgekehrt hat es uns nun aber auch erstaunt, dass Ihr einen großen Sprung – allerdings ohne Euren eigenen Füße zu benutzen – nach Portugal gemacht habt. Andererseits verstehen wir es gut, dass ihr Beiden nun Eure Zeit in Portugal an der Küste verbringen wollt.
    Auch wir haben Portugal auf unserem Trip mit dem Camper als ganz zauberhaftes Land mit überaus freundlichen und entspannten Menschen erlebt. Es war damals – und das heißt vor mittlerweile 14 Jahren – wie ein Stück weit aus der Zeit gefallen.
    Auch wir waren in Porto und haben, so wie Ihr, diese Stadt in guter Erinnerung. Anhand vieler Eurer Fotos können wir beinahe genau sagen, an welcher Stelle Ihr gestanden seid…
    Seid Ihr denn bei Eurem Besuch auch in einer der Portwein-Destillerien gewesen?

    Jedenfalls freuen wir uns mit Euch, dass Ihr wieder unterwegs seid und trotz der Pandemie unterwegs sein könnt. Vielleicht mit Hindernissen, aber doch unterwegs….

    Grüßt Portugal von uns und haltet die Ohren steif. Wahrscheinlich werden Eure Ohren jedoch automatisch steif werden wegen der frischen Frühjahrsbrise auf dem Fischerweg entlang der portugiesischen Küste.

    Herzliche Grüße von Jürgen und Karin!

  2. Christine und Dirk

    Ihr Lieben, es ist wirklich etwas Besonderes und Wunderbares die kommende Wegstrecke mit euren bekannten Wanderfreunde zu gehen. Eure Freude darüber können wir uns sehr gut vorstellen.
    Fühlt euch ganz lieb von uns gedrückt.
    Christine und Dirk

    1. Herr Hut

      Ja, wir genießen diese Zeit sehr! Danke für eure Gedanken und eure Unterstützung 🙂

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